Frageformate didaktisch betrachtet

In einem lesenswerten Online-Beitrag zur Medienpädagogik:

Einsatz eines „Audience Response Systems“ in der Hochschullehre: Fragekategorien, didaktische Strukturierungen und Praxisreflexionen zur Partizipation im Hörsaal

haben Georg Peez und Ahmet Camuka von der Goethe-Universität Frankfurt am Main die didaktischen Optionen der ARSnova-Frageformate in Lehrveranstaltungen evaluiert und in folgende Kategorien unterschieden:

Abbildung aus http://www.medienimpulse.at/articles/view/656
Abbildung aus: http://www.medienimpulse.at/articles/view/656

Die Fragekategorien wurden in einem Kunstpädagogik-Seminar mit ca. 60 Studierenden an konkreten Beispielen erprobt und von den Studierenden anschließend diskutiert und bewertet. Der Werkstattbericht zeigt, wie ein Audience Response System (ARS) auch in relativ kleinen Lehrveranstaltungen didaktisch sinnvoll eingesetzt werden kann. Bisherige ARS-Evaluationsstudien liegen meist nur für MINT-Fächer und Lehrveranstaltungen im Studiengang Medizin  vor.

Fazit der Autoren:

In den folgenden vier Punkten kurz zusammengefasst spielt die Prozessualität eine entscheidende Rolle für den Einsatz der meisten Frageformen mittels ARS.

  1. Im Anschluss an die Projektion der Frage schließt sich eine Phase des Nachdenkens an. Da nicht alle ein mobiles Endgerät nutzen, enthält diese Phase auch das Erörtern in (informellen) Kleingruppen.
  2. Während der Phase der Eingabe baut sich Spannung auf, da die Studierenden neugierig darauf sind, welches Ergebnis sich zeigen wird. Der sukzessive Aufbau der Statistik-Säulen unterstützt dies.
  3. Die Präsentation des Ergebnisses ist durch dessen Unvorhersehbarkeit und Live-Charakter teils von Überraschung oder Lachen begleitet.
  4. Durch die Besprechung im Plenum werden die Erkenntnisse inhaltlich vertieft; Antwortoptionen und Argumente werden abgewogen.

Interaktion, Kommunikation, Partizipation und Aktivierung erfolgen also auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Gleiches gilt für die Reflexivität des Lernens, was insbesondere für Lehramtsstudierende ein wichtiges Moment darstellt. Ein elektronisches Lern-Werkzeug wird ausprobiert und auf dessen Einsatzmöglichkeiten auch in der Schule erörtert. Ferner erhalten die Lehrenden auf diese Weise ständig Rückmeldung über ihre Lehrveranstaltung. Die Studierenden werden motiviert und wertgeschätzt.


Die Studie von Peez und Camuka wurde im WiSe 2013/14 durchgeführt. Damals stand das ARSnova-Frageformat „Bildfrage“, auch Planquadrat genannt, noch nicht zur Verfügung. In spezifischer Weise kommen Bildfragen dem Fach Kunstpädagogik sehr entgegen. Bisher wurden Bilder gezeigt und getrennt dazu eine Multiple/Single-Choice- oder Freitext-Frage gestellt, siehe Screenshot unten links mit einer Reflexionsfrage zu einer Kinderzeichnung. Mit dem Format Bildfrage können die Studierenden einzelne Bildbereiche per Berührung auf dem Smartphone oder Mausklick im Desktop-Browser selektieren, Screenshot rechts. Anhand der Heatmap in der Antwortstatistik (Aufruf über das Balken-Icon) ergeben sich interessante Erkenntnisse und Diskussionsimpulse. Das Bildfragen-Format kann in der Session 71 07 36 92 ausprobiert werden.

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Die Kinderzeichnung stammt aus: http://www.medienimpulse.at/articles/view/656.


Über den Einsatz von ARSnova und dessen didaktische Fragekategorien im Seminar „Spuren und Sinnzeichen. Ästhetisches Verhalten von Kindern und Jugendlichen“ wurde auch auf dem 8. eLearning Netzwerktag der Uni Frankfurt vorgetragen. Die 30-minütige Aufzeichnung ist nicht nur für Lehramtsstudierende der Fachrichtung Kunstpädagogik interessant:

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Aufzeichnung im Flash-Format, andere Formate auf der Übersichtsseite
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